Bericht Nr. 5

Schutz gegen elektrischen Schlag - Grundlagen - Zuverlässigkeit der Schutzeinrichtungen - Prüfungen und Messungen in Verbraucheranlagen, insbesondere in landwirtschaftlichen Betriebsstätten - Elektrische Unfälle und deren Statistiken

KURZFASSUNG

In den letzten Jahren wurden vermehrt Elektrounfälle von Nutztieren in landwirtschaftlichen Betriebsstätten beobachtet. Nähere Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Unfälle (zwischen 1995 und 1997 wurden in Österreich über 50 Nutztiere getötet) oft in Anlagen mit der Schutzmaßnahme Fehlerstrom-Schutzschaltung auftraten. Grund dafür war immer das Versagen des FI-Schutzschalters, der dabei den alleinigen Schutz gegen den elektrischen Schlag darstellt.

Die umfangreichen FI-Schutzschalter-Untersuchungen in Österreich, Deutschland und Italien haben ergeben, dass etwa 5% der überprüften Schutzschalter nicht funktionieren. Bei FI-Schutzschaltern, die länger als 10 Jahre eingebaut sind, beträgt die Ausfall¬rate rund 10%. Bei regelmäßiger Betätigung der Prüftaste kann zwar die Ausfallhäufig¬keit auf weniger als 1% gesenkt werden, die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Anlagen¬betreiber dazu nicht motiviert werden können.

Die Ergebnisse von Feldversuchen zeigen, dass die Anwendung der Schutzmaßnahme Nullung in Betriebsstätten mit Nutztierhaltung, aber auch ganz allgemein in Nieder¬spannungsanlagen zu einer Erhöhung der Sicherheit bei der Elektrizitätsanwendung führt.

Dabei wurden auch Messungen der berührbaren Teilfehlerspannung und der Berüh-rungsspannung in Verbraucheranlagen durchgeführt, wenn als Fehlerschutz die Neu¬tralleiter-Schutzerdung (Nullung) oder die Schutzleiter-Einzelerdung angewendet wird. Bei Körperschlüssen in Verbrauchsgeräten, die innerhalb oder außerhalb von Gebäu¬den auftreten können, zeigt sich auch hier, dass bei der Schutzleiter-Einzelerdung die Berührungsspannungen etwa doppelt so hoch sind als bei der Nullung.

Zusammenfassend kann aufgrund der durchgeführten Messungen gezeigt werden, dass bei der Nullung die Berührungsspannungen im Allgemeinen nur wenige zehn Volt betragen und auch bei langen Endstromkreisen unter 100 V bleiben. Bei der Schutzleiter-Einzelerdung dagegen liegen die Berührungsspannungen oft in der Nähe der Netzspannung gegen Erde und damit weit über 100 V. Da die Körperimpedanz span¬nungsabhängig ist, liegen die gefährlichen Körperströme bei der Nullung im allgemei¬nen unter der Gefahrengrenze für das Herzkammerflimmern, bei der Schutzleiter-Ein¬zelerdung aber oft im letalen Bereich, wenn die Schutzeinrichtungen versagen und da¬mit keine Ausschaltung des Fehlerstromes erfolgt.

In den letzten Jahren wurden vermehrt Elektrounfälle von Nutztieren in landwirtschaftlichen Be-triebsstätten beobachtet. Nähere Untersuchungen haben gezeigt, daß diese Unfälle (zwischen 1995 und 1997 wurden in Österreich über 50 Nutztiere getötet) oft in Anlagen mit der Schutzmaßnahme Fehlerstrom-Schutzschaltung auftraten. Grund dafür war immer das Versagen des Fehlerstrom-Schutzschalters, der dabei den wesentlichen Schutz gegen den elektrischen Schlag bildet.

 

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